Zum Podcast mit Olaf-Axel Burow
Veränderung findet immer von Einzelnen statt. Es sind immer Einzelne, die ein bisschen mehr Energie und Leidenschaft haben.
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Prof. Dr. Olaf-Axel Burow
Die Schule der Zukunft: Eine Vision entwickeln
Viele Schulen befinden sich gerade im Wandel und stellen sich die grundlegende Frage, wie sie Lehren und Lernen zukunftsfähig gestalten können. Über das Thema »Schule der Zukunft« haben wir im Podcast mit Olaf-Axel Burow gesprochen. Er beschäftigt sich seit langem mit Fragen der Veränderung in Schule und im Bildungssystem. Die »Schule der Zukunft«, so Burow, ist vor allem durch eine Haltung und eine Vision geprägt, die alle Beteiligten miteinander verbindet. Mit dieser Vision kann jede Schule ihren individuellen Herausforderungen, aber auch Ansprüchen gerecht werden und für sich die Frage klären: Wie soll unsere Schule in zehn Jahren aussehen und was ist uns wichtig? Im Podcast stellt Olaf-Axel Burow vor, wie sich mit der Methode »Zukunftswerkstätte« Schule gemeinsam entwickeln lässt und erklärt am Beispiel der Alemannenschule Wutöschingen, wie eine Schule der Zukunft konkret aussehen kann.
Durch das Gespräch führt Armin Himmelrath
Armin Himmelrath hat Sozialwissenschaften und Germanistik in Wuppertal und Beer Sheva (Israel) studiert. Er arbeitete als freier Bildungs- und Wissenschaftsjournalist unter anderem für den WDR, den Deutschlandfunk, die »Süddeutsche Zeitung« und Spiegel Online sowie als Moderator und Buchautor. Seit 2018 ist er Bildungsredakteur beim »Spiegel«, außerdem weiterhin für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Moderator und Reporter aktiv.
Zukunftswerkstatt
Die Zukunftswerkstatt ist eine Methode, die die Fantasie anregen soll, um dann mithilfe von neuen Ideen Lösungen für gesellschaftliche Probleme zu entwickeln. Ursprünglich war sie vor allem als Instrument zur Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern gedacht. Neben der freien Ideenfindung geht es in einer Zukunftswerkstatt auch konkret um die Umsetzung. Olaf-Axel Burow führt die Zukunftswerkstätten für Bildungseinrichtungen, von denen im Podcast die Rede ist, am Institute for Future Design durch.
Praxistipps: Mit Methoden der Zukunftswerkstatt losgehen
Gemeinsam in die Zukunft denken
Eine Zukunftswerkstatt dient dazu, wünschenswerte Zukunftserzählungen entstehen zu lassen und ist ideal als Instrument für Schulentwicklung geeignet. Sie kann Ihnen ein grundlegendes Gefühl dafür geben, was für Ihre Schule angesichts gesellschaftlicher und technologischer Herausforderungen relevant ist – und in zehn Jahren relevant sein wird. Im Folgenden finden Sie wichtige Elemente einer Zukunftswerkstatt, die Olaf-Axel Burow im Podcast erwähnt:
- Commitment: Wenn Sie eine Zukunftswerkstatt besuchen oder Schritte, die im Folgenden erklärt werden, selbst ausprobieren möchten, ist es wichtig, dass sich alle Beteiligten darauf einigen, dass Beschlossenes auch umgesetzt wird.
- Inspiration: Suchen Sie den Austausch mit anderen Schulen, die bereits innovative Pädagogik betreiben. Wenn Sie keine Zeit zum Lesen von Fachbüchern haben: Nutzen Sie inspirierende Vorträge und Austauschformate, um den Horizont zu erweitern. Gibt es eine Idee, die Sie besonders gut finden?
- Gleichgesinnte suchen: Eine Vision entwickelt sich am besten gemeinsam – so bekommt sie Bedeutung und Sie können sich gegenseitig beflügeln. Setzen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen, die ebenfalls den Wunsch nach Veränderung verspüren. Optional, aber hilfreich: Schulaufsicht, Brandschutzbeauftragte, Elternvertreter oder ähnliche Rollen dazu einladen – so lässt sich eine tatsächliche Umsetzung der Vision eher gewährleisten, da mögliche Fallstricke mitgedacht werden und sich alle vorher darauf einigen können, gemeinsam Beschlossenes umzusetzen.
- Fokus auf Positives: Starten Sie nicht mit einer Kritikphase – das lähmt! Beginnen Sie stattdessen mit Erfolgsgeschichten: Sammeln Sie Situationen, in denen der Unterricht oder etwas anderes in der Schule besonders gut funktionierte oder genauso war, wie Sie es sich eigentlich wünschen. Diskutieren Sie, was daraus für die Zukunft abgeleitet werden kann. So entstehen erste Hinweise, wo die Gruppe hinmöchte.
- Die Vision: Überlegen Sie, wie Ihre Schule in zehn Jahren aussehen soll. Damit geht auch die Frage einher: Wie könnte unsere Gesellschaft in zehn Jahren aussehen? Durch dieses »Episodische Zukunftsdenken« stimmen Sie sich auf mögliche Zukünfte ein. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie mit Veränderungshandlungen beginnen und Ihre Ziele erreichen.
- Konkrete Planung: Brechen Sie die Vision in erreichbare Schritte herunter. Starten Sie mit kleinen Schritten, die Sie zeitnah angehen können. Halten Sie Maßnahmen und Verantwortlichkeiten fest. Wenn Sie weitergehen möchten, könnten Sie sogar schon konkrete Umsetzungsprojekte entwickeln.
- Mission: Entwickeln Sie darüber hinaus ein Motto beziehungsweise einen Slogan für Ihre Schule, der Ihre Mission beinhaltet. Wenn es Ihnen schwerfällt, aus vielen Ideen einen Satz zu formen, könnten Sie die Künstliche Intelligenz zurate ziehen.
- Werte: Welche drei Kernpunkte müssen erreicht sein, damit Ihre Schule zur Schule Ihrer Wünsche wird? Halten Sie drei Werte fest, für die Ihre Schule steht (beispielsweise modern, einfach, fair). Anstatt mit Worten könnten Sie auch mit Symbolen arbeiten.
- Visualisierung: Arbeiten Sie mit Postern oder Visualisierungen, die die nächsten Maßnahmen, Verantwortlichkeiten und langfristigen Ziele festhalten. Nutzen Sie diese ausformulierte oder vielleicht sogar grafische Darstellung Ihrer Ziele und hängen Sie sie an zentralen Orten in der Schule auf. So wissen alle jeden Tag: Da wollen wir hin und das sind unsere Schritte für diesen Weg.
Impulse für individuelle Veränderungen
Die Zukunftswerkstatt im Unterricht
Eine Vision entwickelt sich am besten gemeinsam – aber Veränderung beginnt bei der einzelnen Person. Auch als einzelne Lehrkraft können Sie durch gezielte, oft kleine Veränderungen eine große Wirkung erzielen. Ihre Haltung, Ihre Kreativität und Ihr Engagement können nicht nur Ihre Schülerinnen und Schüler inspirieren, sondern auch Kolleginnen und Kollegen und die Schulatmosphäre positiv beeinflussen. Jede kleine Verbesserung ist ein Schritt in Richtung einer moderneren Schule.
Nutzen Sie neue technologische Möglichkeiten wie digitale Tutoren und probieren Sie neue Lehrmethoden wie selbstgesteuertes und projektbasiertes Lernen dort aus, wo Sie Freiraum haben. Sie könnten beispielsweise das Konzept der Zukunftswerkstatt in Ihrem Unterricht einsetzen. Denn: Sie ist letztendlich ein Prototyp selbstgesteuerten Lernens. Überlegen Sie: Wie können Sie dieses Vorgehen im Unterricht nutzen? Wozu könnten Sie mit Ihren Schülerinnen und Schülern Visionen entwickeln? Bei welchem Thema würde sich das Format anbieten? Durch das freie Brainstorming und die Umsetzung konkreter Projekte können bei Ihren Schülerinnen und Schülern vielfältige Potenziale zum Vorschein kommen.
Selbstreflexion Talentförderung
Diese kleine Übung von Olaf-Axel Burow soll zur Selbstreflexion dienen und die Bedeutung individueller Potenzialförderung sowie auch Ihre Verantwortung dafür verdeutlichen. Denn: Alle hier skizzierten Ideen sollen letztlich dazu dienen, dass Schule individuelle Potenziale und Neigungen besser fördern und auch Kreativität mehr zulassen kann.
So geht's
Überlegen Sie: Wenn Sie an Ihre Grundschulzeit denken – gibt es etwas, was Sie gerne und mit Leidenschaft gemacht haben? Wenn ja, wurde diese Neigung von einer Lehrkraft erkannt und im Laufe Ihrer Bildungsbiografie über drei Jahre hinweg gezielt gefördert?
Exkurs Vorbilder
Wie im Abschnitt »Inspiration« beschrieben: Suchen Sie sich Vorbilder. Sie müssen das Rad nicht neu erfinden, denn es gibt bereits viele gute Ideen und auch erfolgreiche Umsetzungen, im besten Falle sogar mit wissenschaftlicher Begleitung und Legitimation. Olaf-Axel Burows favorisiertes Praxisbeispiel für die Grundlinien der Schulentwicklung ist die Alemannenschule Wutöschingen. Seiner Meinung nach haben vor allem die grundlegende Haltung und die Vision der Schule und des Schulleiters zu einer massiven Veränderung geführt. Das Beispiel zeigt außerdem gut, dass der erste Impuls eines Einzelnen zu einer systemischen Veränderung führen kann. Ausgangspunkt war die Frage: Wie lernen die Schülerinnen und Schüler am liebsten? Und der Wunsch nach einer Wohlfühlatmosphäre. Heraus kamen neue Lernformen, Prüfungsformate und Schülerinnen und Schüler, die Verantwortung für ihr Lernen übernehmen.
Welche der Methoden beziehungsweise Modelle lassen sich vielleicht an Ihrer Schule ohne größere Hürden umsetzen? Wo können Sie andere Formen des Lernens möglich machen? Oder andere Prüfungsleistungen anbieten? Testen Sie neue Methoden in kleinen Schritten, zum Beispiel einmal pro Woche eine offene Unterrichtseinheit oder ein Projekt.
Zum Weiterlesen
Burow, Olaf-Axel: Mit KI zu leidenschaftlicher Bildung: Ein Manifest. Beltz, 2024.
Burow, Olaf-Axel: # Schule der Zukunft: Sieben Handlungsoptionen. Beltz, 2022.
Institute for Future Design: Schulentwicklung. Zur Website.
Institut für zeitgemäße Prüfungskultur. Zur Website.
McGonigal, Jane: Bereit für die Zukunft: Das Unvorstellbare denken und kommende Krisen besser meistern. Penguin Verlag, 2022.
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