Die Zukunft des Lernens
Junge Menschen bestmöglich auf ihre Zukunft vorzubereiten – das ist die Herausforderung unserer Zeit. Doch wie genau diese Zukunft aussehen wird, bleibt ungewiss. Wie können Schulen dieser Aufgabe gerecht werden? Zu diesem Thema haben wir mit Dr. Christian Engelbrecht vom Futurium gesprochen.
Fünf Fragen an Christian Engelbrecht
Herr Engelbrecht, sind junge Menschen eigentlich neugierig auf ihre eigene Zukunft?
Ja, in unseren Workshops erleben wir, dass junge Menschen sehr neugierig auf ihre eigene Zukunft sind. Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Beteiligung und Mitgestaltung, besonders bei Themen wie Digitalisierung. Oft fühlen sie sich weniger ausgeliefert oder ohnmächtig, als Erwachsene es ihnen zuschreiben – sie spüren weniger hilflose Wut und zweifeln seltener an ihrer eigenen Wirksamkeit.
Kann man Zukunft lernen?
Man kann lernen, umsichtig und vorausschauend zu denken. Zum Beispiel: Welche Auswirkungen hat eine technische Innovation auf andere Lebensbereiche? Welche unbeabsichtigten Folgen oder langfristigen Wechselwirkungen entstehen? Genau solche Fragen helfen dabei, Zukunftskompetenzen zu entwickeln – etwa kritisches Denken, Perspektivenvielfalt und das Erkennen langfristiger Trends.
Das ist entscheidend: Der Blick in die Zukunft hilft uns, Visionen greifbar zu machen, sie zu reflektieren und unser Handeln heute daran anzupassen. Gleichzeitig schärft er unser Verständnis für die Gegenwart – und ermöglicht es, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen.
Welche Kompetenzen halten Sie für besonders wichtig, damit Kinder und Jugendliche gut für die Zukunft gerüstet sind?
Aus der Vielzahl an Fähigkeiten halte ich sechs für besonders wichtig:
- Eine Weltsicht der Fürsorge und Beteiligung entwickeln.
- Die Möglichkeiten und Auswirkungen von Zukunftstechnologien verstehen.
- Unterschiedliche Perspektiven auf alternative Zukünfte respektieren.
- Verantwortung für das Wohlergehen von Minderheiten übernehmen.
- Als kritische:r Denker:in bekannte Fakten hinterfragen.
- Einsicht in langfristige Zukunftstrends gewinnen.
Wie können Schulen und außerschulische Lernorte dazu beitragen, diese Fähigkeiten gezielt zu fördern?
Ich sehe hier vor allem Potenzial in einer noch engeren Verzahnung von Schulen und außerschulischen Lernorten – etwa durch Projekttage, die Elemente aus dem »Challenge-Based Learning« und »Playful Learning« aufgreifen. Ein Beispiel wäre das selbstständige Erkunden der Futurium-Ausstellung mit gezielten Arbeits- und Lernaufträgen oder das Erproben hybrider Lernsettings in diesem Rahmen.
Vielversprechend finde ich auch Ansätze wie »Open Educational Badges«, ein digitales Feedback-System, das individuelle Lernfortschritte und Kompetenzen sichtbar macht – über klassische Noten hinaus. Gerade für schulische und außerschulische Lernorte sind solche Konzepte ideal, da sie informelles und projektbasiertes Lernen abbilden und Stärken anerkennen, die im traditionellen Notensystem oft untergehen. Und das wird in Zukunft umso relevanter, da Lernen nicht mehr nur an einen festen Ort gebunden sein wird.
Wagen Sie einen Blick in die Zukunft: Wie werden sich Lehren und Lernen in den nächsten zehn Jahren entwickeln?
Ich würde von heute aus betrachtet drei Aspekte herausgreifen, die das Lehren und Lernen in den nächsten zehn Jahren prägen werden:
- Lernen wird nicht mehr nur in der Schule stattfinden.
Schüler:innen werden nicht mehr nur im Klassenzimmer lernen, sondern auch in Unternehmen, Forschungseinrichtungen oder digitalen Räumen. Schulen werden enger mit externen Partnern zusammenarbeiten. - Digitale Tools werden unterstützen, aber nichts ersetzen.
KI-gestützte Lernsysteme werden individuelles Lernen fördern, aber es wird sich gezeigt haben, dass nicht naive Technikbegeisterung, sondern durchdachte Konzepte entscheidend sind, damit Digitalisierung die schulische Bildung sinnvoll ergänzt und bestehende Ungleichheiten nicht verstärkt. - Mehr Fokus wird auf Zukunftskompetenzen liegen.
Neben Faktenwissen werden kritisches Denken, Perspektivenvielfalt und digitale Mündigkeit an Bedeutung gewinnen. Zeugnisse werden sich weiterentwickeln und zunehmend nicht nur Wissen, sondern auch erworbene Fähigkeiten und Kompetenzen transparenter abbilden.

Dr. Christian Engelbrecht
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